Windsurfverein Werder/Havel e.V.

Geschichte des WSV Werder / Havel

Im Herbst 1992 muss es gewesen sein, als vor der Inselstadt wieder einmal Nordwestlicher Wind von mehr als fünf Windstärken blies. Mehr als zehn Windsurfer, die alle in der Nähe wohnten, trafen sich beim Reißverschlussverkehr über die Fahrrinne - man kannte einander vom Sehen auf dem Wasser beziehungsweise auch aus der Stadt. Da dies nicht das erste und einzige Mal war, kam dem damaligen Betreiber der "Clubgaststätte" im Vereinshaus der Ruderer, Kurt von Kiedrowski (selbst leidenschaftlicher Windsurfer), eine folgenschwere Idee: warum nicht mal Gleichgesinnte zusammenrufen? Im örtlichen "Generalanzeiger", den hierzulande jeder Haushalt bekam, wurde kurzentschlossen ein Aufruf gestartet: "Gleichgesinnte gesucht". Es kamen sieben Leute, trafen sich beim Bier, um miteinander zu reden, was man so anstellen könnte. "Die Windsurfer sollten eine Lobby bekommen", war sich Kurt sicher, denn man wisse nicht, wie der Gesetzgeber in der Zukunft den Stehbrettseglern so gegenübertritt. Zudem könnte man mal zusammen eine Tour an die Ostsee unternehmen oder mal eine Party feiern.

Gesagt, getan - so wurde aus einer Idee mit viel Arbeit und Geduld eine Gründungsversammlung geplant, die bereits am 28. März 1993 mit 26 Leuten stattfand (davon sind zurzeit immer noch 12 dabei!). So wurde aus "bekannten Mitsurfern" der "Windsurfverein Werder/Havel" geschmiedet und Kurt zum Vorsitzenden gewählt, was er auch bis 1999 blieb. Es brauchte ein sattes Jahr, bis sich das Amtsgericht mit Ergänzungen in der Satzung zufriedengab und uns endlich als Verein eintrug...
Da war ein geeignetes Gelände schneller zu finden: Bereits vor der Gründungsversammlung überlegte man gemeinsam, ob es hier bei den Ruderern auf der Inselstadt oder bei den benachbarten Seglern besser wäre. Steffen Königer hatte die Idee, das man sich am Zernsee mal umschauen solle, weil er dort schon surfen gewesen sei und die Windbedingungen wesentlich besser waren, als zwischen Insel und Wildpark. So kam eins zum anderen, denn die ehemaligen Sowjetischen Besatzungstruppen hatten sich schon von einem Teilstück des ehemaligen Flugplatzes zurückgezogen. Die Stadt erteilte eine Genehmigung, sich auf dem Gelände der "GUS" (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) aufhalten zu dürfen. So begutachteten Tilo Grahl, Frank Lorenz und Kurt von Kiedrowski zusammen die ehemaligen Panzerhallen und ließen sich glücklicherweise von einem großen Haufen dort lagernder Asbestplatten abschrecken. Das Stück benachbarter Wiese mit den verwucherten Rosenrabatten schien geeigneter - und das wurde es nach mehreren Monaten harter Arbeit auch!

Betonplatten wurden vom Ufer entfernt, die "Rosen" ebenso eingeebnet wie diverse andere undefinierbare Hinterlassenschaften. Aus dem Wasser wurden halbe Müllkippen geräumt, sogar bis in die Jetztzeit wird man noch "fündig", was jedoch nicht immer schmerzfrei ablief. Die Container wurden gestrichen und schon im Sommer 1993 konnte die erste Vereinsregatta gestartet werden! Ein wahrer Kraftakt, der sich aber ausgezahlt hat.

Die Jugendarbeit wurde versucht voranzubringen - wobei man erst auf Hilfe der Surflehrer Martin Klintz und Jens Ohlemann zurückgreifen konnte, bis dies Jens Rietz übernahm. Man gab Surfstunden, schaffte ein Boot mit kleinem Außenborder an und ganz wichtig: Man feierte zusammen und fuhr bis an die Ostsee. Ob Markgrafenheide, Pepelow oder Dierhagen, Surfer des WSV waren überall zusammen unterwegs. Vielen in Erinnerung geblieben ist wohl das herbstliche Trapeztrinken in Dierhagen, bei dem sich vierzehn Mitglieder in ein von Baum zu Baum gespanntes Starkstromkabel hingen, Bier tranken und sich beim Durchreißen des Kabels gemeinsam auf den Hintern setzten.
Seit dem ersten Jahr der Mitgliedschaft im Stadtsportbund nimmt der Verein am alljährlichen Umzug zur Baumblüte statt - wobei hier die Jugend immer stark vertreten ist und gern die ein oder andere Kamelle vom Umzugswagen in die Massen wirft. 1995 konnte das erste Mal im Frühjahr der Wanderpokal ausgetragen werden. Gefeiert wurde natürlich in Kurts Gaststätte, in welcher sagenumwobene Partys stattfanden - mit Tanz auf dem Tischen und allem, was dazugehört.
Seit 2001 wird der Wanderpokal beim "Tag der Offenen Tür der Werderaner Sportvereine" ausgetragen. Hierzu wird die Inselstadt komplett umrundet (unter der Brücke wird natürlich gelaufen).
1996 ging der Verein erstmals in das noch gar nicht so bekannte Internet: Frank Schmolke richtete eine eigene Domain für den WSV ein und betreute die Seiten, die immer besser wurden und weltweit dem Windsurfverein Bekanntheit verschaffte - mit mehreren zehntausend Besuchen auf der Seite aus aller Herren Länder. Nach elf Jahren übernahm 2007 Fabian Ludwig die Betreuung. Im Frühjahr 1996 überlegte sich der Vorstand, dass man doch mal einen Jahreshöhepunkt haben müsste, der nicht nur Mitglieder auf das Vereinsgelände zieht. So wurden die Landesmeisterschaften geboren, denn der WSV war und ist immer noch der einzige reine Windsurfverein im Land Brandenburg - warum sollte man sich nicht mal mit landesweiten "Titelkämpfen" zu Wort melden. Das tat man auch geräuschvoll, mit Riesenparty, Modelshow, auf-Stühlen-zum-Horizont-Reiten und Toastbrot-Baby-Singen bis in die Morgenstunden! Vor einigen Jahren karrte die damalige Diskothek "Studio 1" extra für uns vier Tonnen Sand auf die Tanzfläche, um den Surfern eine "Indoor-Beach-Party" zu ermöglichen. Bis heute zählen die im Herbst stattfindenden Meisterschaften zu erfolgreichen Events und können teilweise mehr Starter vorweisen, als so manche Deutsche Meisterschaft. Dabei steht immer noch der Spaß im Vordergrund, denn es sollte ja eine Veranstaltung werden und bleiben, die den Freizeitsurfer nicht am Ufer stehenlässt.

Nach einigen Ortswechseln (Neben Schloss Petzow und zweimal Strandbad Caputh) ist der Verein aber wieder an den Zernsee zurückgekehrt. Und hatte oft Windige Regatten (mit Böen bis 8 Windstärken), im Jahr 2002 konnten die Teilnehmer am Finaltag sogar den Schnee von den Segeln fegen.

Auf Jens Rietz als Vorsitzenden (1999-2001) folgte dann Steffen Königer, der bis heute dieses Amt bekleidet. 2001 wurde ein neues Vereinsboot angeschafft, das auch einige Wasserski- und Wakeboardtouren erlaubte. 2001 wurde auch der Narrenpokal aus der Taufe gehoben: ein wahrscheinlich einzigartiger Pokal, den man nicht einmal gewinnen kann: Närrisches Treiben am 11.11. auf dem Zernsee (oder am Wochenende danach). Frisch in Windeln gewickelte Mitglieder wurden schon halbnackt auf dem Brett gesehen ebenso wie surfende Feuerwehrmänner! Wer sich als Mitglied mit oder ohne Bekleidung surfenderweise zum Narrenpokal auf dem Heimatrevier befindet, kommt auf der Weihnachtsfeier in den Lostopf und hat die Chance auf den hässlichsten Pokal der Welt ;-)

2005 hatten wir Pawel Dittrich POL-381 (in den Neunzigern zweitbester Pole) endlich soweit: er trat bei uns ein. Seit Jahren ein Dauerabo auf den Sieg, ist er 2008 sogar dritter bei den Europameisterschaften in der Mastersklasse geworden. Da er auch öfter auf dem Vereinsgelände ist, kann jeder Normalsurfer sich Tips vom Profi holen, oder sich ein wenig Technik abschauen, ohne weit fahren zu müssen. Doch nicht nur "Racer" bereichern das Vereinsleben: mit Fabian Ludwig ist auch einer im Verein, der die verrücktesten Manöver im Freestyle trainiert!
2006 war es dann endlich soweit: die Stadt gab uns einen langfristigen Pachtvertrag und wir konnten das Gelände fast verdoppeln. Seitdem ist der Vorstand vermehrt gefordert, denn die Mitglieder zeigten sich zur Weihnachtsfeier begeistert von der Idee, ein Vereinsheim zu planen und einen Schwimmsteg zu bauen - kein Wunder, denn die Container platzen aus allen Nähten. Mit dem Vereinsheim kann es noch eine Weile dauern, denn zu viel Papierkram liegt noch dazwischen. Mit der von Kabel1-Fernsehen gebauten "Mühle" hat der Verein endlich Nachbarn bekommen, die sich dauerhaft dort niederlassen. Der Schwimmsteg wurde zur Landesmeisterschaft 2008 im Oktober offiziell eingeweiht, nun gehören gefährliche Rohre im Strandbereich der Vergangenheit an.
Mal sehen, was die nächsten Jahre so bringen.


geschrieben von Steffen Königer